Armin im Interview mit „Zett“ am Sonntag

Artikel vom 11. Februar 2018

"Armins Blasmusik-Kanal"

Die Kollegen in der Branche werden gefeiert wie Weltstars. YouTuber Armin Rogger aus Sexten aber feiert auf seinem YouTube-Kanal lieber andere: Blasmusikanten und Trachtenträger. Wie uncool ist das denn?

SEXTEN (mh) Wird im Hochpustertal irgendwo feierlich in die Tuba geblasen, ist auch der Sextner „Youtuba“ – wie man ihn im Pusterer Dialekt nennt – nicht weit. Doch das Werkzeug von Armin ist kein Blechblasinstrument, sondern die Filmkamera. Seit mittlerweile acht Jahren dreht der 24-Jährige Videos von Trachten- und Musikumzügen, Saalkonzerten oder Wertungsspielen und stellt sie auf seinem YouTube-Kanal ins Internet.

Auf Klick, Marsch!

Zwischen Clips von Ed Sheeran und  Fashionshows von Chanel, findet man so beispielsweise das Bezirksmusikfest in Toblach oder die Marschmusikwertung in Sterzing. „Klar gibt es Leute, die belächeln mich und meine Blasmusikfilmchen. Doch wenn ich ihnen erzähle, dass ich damit Geld verdiene und bei manchen Videos über 600.000 Klicks habe, dann schauen sie meist blöd“, erzählt Armin Rogger. Er weiß, dass seine Inhalte keinem Lifestyle-Trend entsprechen –  aber eine Nische füllen. Und dafür gibt es es definitiv ein Publikum. Das belegen die Zahlen.

Millionen von Klicks

Über 2.000 Abonnenten hat der Sextner YouTuber aktuell, seine mittlerweile 202 Videos wurden schon millionenfach angesehen. Zwar kommen die meisten Zuschauer aus Deutschland, Österreich und Italien, doch auch aus den USA gab es schon Feedback. „Eine Amerikanerin schrieb mir, dass sie im Urlaub unbedingt nach Südtirol kommen möchte, da sie unsere Traditionen und die Blasmusik so toll findet.“ Das Märsche und Polkas nicht nur ältere Semester im Takt wippen lassen, das zeigt eine E-Mail einer verzweifelten Mutter. Sie bat Armin Rogger, er möge ihr doch ein paar Videos auf einen Stick speichern, denn ihr kleiner Sohn sehe sich diese viel lieber an als Kindersendungen, verbrauche aber dabei regelmäßig ihr Datenvolumen am Handy.

Langsames Internet

Das Dilemma ums Datenvolumen kennt auch Armin Roggers Familie zur Genüge. Um seine HD-Videos ins Netz zu bekommen, braucht sein Computer aufgrund der schlechten Internetverbindung manchmal eine Nacht lang. „Wenn am nächsten Tag im Hause Rogger dann das Internet nicht mehr geht, bekomm ich es schon mal zu hören“, sagt der Hobbyfilmer schelmisch – ebenso wenn er mal wieder neues Film-Equipment kauft. Was nicht selten passiert.

Landesweit unterwegs

Die Sony-Handkamera aus dem Jahr 2009 reicht Armin Rogger längst nicht mehr aus. Rückt er heute aus, hat er einen ganzen Koffer mit GoPros, Drohne und Spezial-Mikros dabei. Begleitet wird er meist von seinem Vater oder seinem Bruder. Somit hat Armin die Möglichkeit, mehrere Perspektiven gleichzeitig einzufangen. Musikkapellen aus dem gesamten Tiroler Raum  fragen mittlerweile seine Dienste an. Vor einigen Jahren hat der 24-Jährige darum eine Mehrwertsteuernummer angemeldet und sich gegen Entgeld buchen lassen. Seit 2018 ist das aber Geschichte. „Wenn ich auf Auftrag arbeite, bin ich nicht mehr frei in der Gestaltung. Ich suche mir lieber die Veranstaltungen selbst aus und mache die Videos, wie ich sie im Kopf habe“, sagt Rogger, der im Mai beim Gauderfest im Zillertal den ersten Einsatz für 2018 haben wird. Allzu viel Zeit bleibt dem YouTuber nämlich nicht. Neben seinem Brotberuf als Onlinemarketingmanager einer Internetfirma, spielt er seit 12 Jahren Schlagzeug bei der Musikkapelle Sexten und ist seit 2010 obendrein Stabführer. Den Zweiviertel Takt hat er gewissermaßen im Blut. Auch sein Opa war begeisterter Musikant, sein Onkel Pepi Fauster ist Obmann des Verbandes der Südtiroler Musikkapellen und sein Bruder Andreas hat bei „Henns Böhmischen Komponistenprojekt 2017“ das Stück „Unsere Polka“ mitkomponiert. „Meine Mama erzählt immer, dass ich als Kind lieber der Musik im Dorf zugehört, als Verstecken gespielt habe“, verrät Armin. Verstecken braucht er sich und seine Arbeit auch heute nicht. Schöne Bilder, eine gute Tonqualität und ein professioneller Schnitt haben längst auch das Unternehmen YouTube überzeugt. Seit 2015 ist der Sextner sogenannter „YouTube-Partner“ und verdient bei der Werbung, die auf seinem Kanal geschaltet wird, mit. Keine großen Summen, aber ein Taschengeld, verrät er. Und ein Grund mehr,  dieses Hobby, das so viele Menschen auf der ganzen Welt begeistert,  noch lange weiter zu machen.

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